COVID-19: Hilferuf – Die Sorgen der Österreicher II

Hier ist Teil 2, der Corona-Sorgen. Geschichten von Betroffenen sowie meine Ratschläge lest ihr in diesem Blogbeitrag. Den ersten Teil findet ihr hier: COVID-19: Hilferuf – Die Sorgen der Österreicher I

 

Die Maßnahmen der Regierung, um die Corona-Virus-Verbreitung einzuschränken, verbreiten Sorgen, lösen Ängste aus und verändern schlagartig das Leben von uns allen.

 

Zu viel essen aus Langeweile

Ich bin Studentin und sitze nun den ganzen Tag zuhause. Ab und zu gehe ich spazieren oder lese ein Buch. Jedoch esse ich aus Langeweile viel zu viel. Ich habe das Gefühl, die ganze Zeit hungrig zu sein, obwohl ich weiß, dass dies nicht stimmt.

Essen ist ein Grundbedürfnis und gehört zum Leben dazu. Jedoch klingt es für mich, als würdest du ein anderes Bedürfnis mit Essen stillen. Versuche auf deinen Körper zu hören. Atme tief durch und versuche auszumachen, was du wirklich in diesem Moment brauchst und fühlst. Viele neigen bei Stress dazu, mehr zu essen. Denn wenn wir essen, haben wir das Gefühl, dass wir in keiner Notsituation sind. Kann es sein, dass du besorgt bist? Dass Essen dich in die Normalität bringt und deine Angst besänftigt? Welche Gedanken liegen hinter dem Gedanken an Essen? Frisst du Sorgen, wie das Essen, in dich hinein? Schreibe deine Gedanken nieder und übe dich in Achtsamkeit.

 

Hochzeit abgesagt

Ich bin sehr traurig. Ich könnte den ganzen Tag durchheulen. Am Wochenende war meine Hochzeit geplant. Leider mussten wir diese absagen. Es hat nicht nur extrem viel gekostet, es hat mir auch meinen lang ersehnten Moment gestohlen.

Das ist natürlich keine wünschenswerte Konsequenz der Viruseinschränkung. Deine Gefühle sind absolut berechtigt und zeigen, wie sehr du deinen Mann liebst und dies mit deinen Freunden teilen möchtest. Traurigkeit ist ein genauso wichtiges Gefühl wie Freude und gehört zum Leben dazu. Ohne ihr würden wir schöne Momente nicht schätzen können. Nutze die Zeit doch, um eine noch tollere Hochzeitsfeier zu planen. Vielleicht warst du mit ein paar Sachen nicht zufrieden und kannst an diesen noch feilen? Nimm diese Vorfreude mit für eine noch gelungenere Trauungszeremonie. Die Hochzeit wurde nicht abgesagt, nur verschoben und das ist auch gut so, weil du damit mithilfst Menschenleben zu retten. Das ist eine wundervolle Geste, die du mit dieser Absage vollbracht hast.

 

Du darfst nicht zur Beerdigung

Ein alter Freund von mir verstarb kürzlich. Die Beerdigung fand heute statt. Ich bin nicht hingegangen, obwohl ich sehr gerne hingehen wollte, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Leider durften nur 80 Personen teilnehmen und er hatte eine große Familie Da ich nicht zum engsten Kreis der Familie zählte, bin ich nicht hingegangen. Ich fühle mich schlecht, da ich nicht dabei gewesen bin und mich nicht verabschieden konnte.

Ich finde es sehr zuvorkommend und mitfühlend von dir, auf deinen Platz zu verzichten. Eine Beerdigung ist nur eine Zeremonie für den Abschied, jedoch kannst du dich auch so von deinem Freund würdig verabschieden. Schreibe ihm doch einen Brief, was du ihm mitteilen möchtest, wünscht und teile ihm mit, warum du nicht teilgenommen hast. Ich bin mir sicher, er hätte Verständnis dafür. Mit Sicherheit möchte er nicht, dass du dich schlecht fühlst. Du kannst deinen Abschied auch alleine mit ihm am Grab nachholen, was noch persönlicher wäre, um deine eigenen Trauerfeier zu haben.

 

Ich drehe durch in der Quarantäne

Ich drehe zuhause durch! Ich bin in Quarantäne und kann mich zu nichts motivieren. Ich habe das Gefühl, dass nichts Spaß macht oder sinnvoll ist.

Der Mensch braucht Entspannung genauso wie Anspannung. Ist das Verhältnis sehr einseitig ist das für das Wohlbefinden und die Gesundheit nicht gut. Frage dich: Was brauche ich jetzt? Was tut mir gut? Wie fühle ich mich? Warum? Welche Gedanken lösen dieses Gefühl aus? Wenn du konkret Spaß und Sinn suchst, frage dich: Was hat mir früher Spaß gemacht? Was bedeutet für mich sinnvoll? Wo finde ich diese Aktivitäten? Erstelle eine Liste und mache dir einen Plan, der dir Struktur gibt und klare Ent- und Anspannungstätigkeiten beinhaltet.

 

Angst ist mein ständiger Wegbegleiter

Ich kann mich nur schwer entspannen. Ich mache mir Sorgen selbst krank zu werden, dass meine Familie krank wird, meine Freunde … Die Angst ist mein täglicher Begleiter und ich werde ihn nicht los!

Wenn dein Ziel Entspannung ist, dann frage dich, welche Tätigkeiten für dich entspannend sind. Ist es ein heißes Bad, ein Spaziergang in der Natur, lachen deiner Freunde oder ein schönes Lied? Notiere dir oder male dir auf ein Plakat auf, was dich entspannt, beruhigt und dich zu Ruhe bringt. Je nach Lust und Laune kannst du jeden Tag 1-2 dieser Aktivitäten in deinen Tag einbauen, um Entspannung zu finden. Je öfter du dies übst, desto schneller wirst du dich entspannen können. Ich empfehle dir auch Atemtechniken, wie z. B. die 7 -8 -9 Methode: Atme 7 Sekunden ein, halte 8 Sekunden den Atem und atme langsam 9 Sekunden lang aus. Mache dies 4-mal hintereinander. Dein Körper wird sich beruhigen und somit auch dein Geist.

 

Kündigung – finanzieller Ruin

Ich wurde gekündigt. Ich habe es schon erwartet, jedoch ist es nun ernst. Ich habe mir eine neue Wohnung gemietet und mit meinem Erspartem alles eingerichtet. Ich weiß nicht, wie lange ich diese Situation am Existenzminimum aushalte. Ich zerbreche innerlich daran.

Angst empfinden wir bei einer Bedrohung und ist natürlich und biologisch sinnvoll. Angst macht dich wachsam und spannt deine Muskeln an, um maximale Kraft für einen Kampf parat zu haben. Diese mobilisierte Energie wird dir dabei helfen, mit dieser Situation umzugehen. Dein Körper hilft dir dabei. Folgende Übung wird dir helfen: Teile dein Sorgen der letzten Monate ein in: – Sorgen, die unnötig waren – Sorgen, die unveränderbar waren – Sorgen, die nie eingetroffen sind und – Sorgen, die wirklich wichtig waren. Verteile Prozentzahlen und a Ende sollen bei allen 2 Sorge-typen 100 % herauskommen. Siehst du, dass die Mehrzahl deiner Sorgen unwichtig waren oder nie eingetroffen sind?

 

Ich kann meine Tochter nicht sehen

Da ich zur Risikogruppe gehöre, darf ich meine Tochter nicht sehen. Ich bin geschieden und sehe meine kleine Prinzessin normalerweise jede Woche. Es bricht mir das Herz, keinen Kontakt zu ihr haben zu können.

Es ist nachvollziehbar, dass du dir den Kontakt und die Nähe zu deiner Tochter wünschst. Dies ist aber zu deinem Schutz. Da du deine Tochter noch länger sehen möchtest, ist diese Maßnahme nun notwendig, damit du deine Tochter beim Aufwachsen erleben kannst. Stelle dir bildlich vor, was noch alles kommen wird, was du mit ihr erleben wirst und nutze diese Vorstellung, um die Kraft zu schöpfen, Abstand zu halten. Ändere den Gedanken von „Es bricht mir das Herz meine Tochter nicht sehen zu können“ in „Ich bin froh, noch zahlreiche Erlebnisse mit meiner Tochter in der Zukunft machen zu können“. Merkst du, welch unterschiedlichen Gefühle diese Sätze auslösen?

 

Ich habe Angst, meinen Job zu verlieren

Ich wurde zwangsweise auf Urlaub geschickt. Dieser reicht jedoch nur für 3 Wochen. Es sieht nicht gut aus. Wir bekommen keine Aufträge und ich fürchte, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere. Ruhig sitzen kann ich nur schwer, meinen Urlaub genießen – unvorstellbar! Soll ich mich bewerben oder wird es besser werden? Ich kann auch nicht viel Anderes. Diese Ungewissheit macht mich fertig.

Du sagst selbst, dass du es nicht weißt. Jedoch zeigen sich jetzt schon Reaktionen, als ob das Schlimmste eingetroffen wäre. Du belastest dich selbst mit deinen Gedanken an die Zukunft, an ein mögliches Szenario, welches noch nicht eingetroffen ist, jedoch im Hier und Jetzt Gefühle auslöst. Akzeptiere die Situation und fokussiere dich auf dich, deine erholsame Urlaubszeit. Alles andere kannst du bewältigen und fühlen, wenn es soweit ist. Es hilft dir aber nicht, dich jetzt schon fertig zu machen, für etwas, das möglicherweise niemals passiert. Triff die Entscheidung, dich gut zu fühlen, nicht deinen Zukunftsszenarien hinzugeben, auf dich zu achten, es dir gut gehen zu lassen. Sei dankbar für das, was du jetzt hast. Denn wer weiß, wann du das nächste mal einen Urlaub hast. Wer und wie wärst du, wenn du Urlaub hättest und die Corona-Krise nicht da wäre? Was würdest du in deinem Urlaub tun?

 

Keiner behandelt mich

Ich habe seit ein paar Tagen Gliederschmerzen und bin im Krankenstand. Fieber habe ich nicht, jedoch eine erhöhte Temperatur. Ich glaube, dass ich den Virus habe. Ich habe bei dieser Hotline angerufen und keinen erreicht. Der Hausarzt wollte mich nicht auf Corona testen und hat mich einfach so krankgeschrieben. Ich bin 58 Jahre alt und mache mir Sorgen.

Diese Situation ist für das Gesundheitssystem herausfordernd. Wir dürfen es nicht persönlich nehmen, wenn für die nicht aktuen Fälle weniger Zeit bleibt. Sich auf die negativen Aspekte zu konzentrieren, ändert die Situation nicht und lässt dich nur schlecht fühlen. Nutze die Zeit und übe dich in Dankbarkeit. Schreibe 20 Dinge auf, für die du dankbar bist. Starte mit: „Ich bin dankbar für …“ Das könnte sein, dass du nach wie vor zwei funktionierende Beine hast, zwei gesunde Augen, ausreichend zum Essen, ein Dach über dem Kopf, saubere Kleidung, gesunde Kinder, einen erfüllenden Job, zahlreiche prägende Erfahrungen, wunderschöne Urlaube und lustige Erlebnisse. Du wirst sehen, dass du dich bei jedem weiteren Satz besser fühlen wirst.

 

Ich habe sie infiziert

Bei mir wurde der Corona-Virus festgestellt. Ich arbeite als Pflegerin einem Altersheim und wurde natürlich sofort freigestellt. Jedoch habe ich starke Schuldgefühle, weil ich denke, dass ich einige angesteckt haben könnte. Was, wenn nun wegen mir ein Mensch stirbt?

„Ich habe jemanden getötet“, klar löst dieser Satz Schuldgefühle aus. Hilft er dir in diesem Moment? Ist dieser jedoch richtig? Ist er zu 100 % wahr? Warum, warum nicht? „Nein, er ist nicht richtig, weil ich das nicht vorsätzlich gemacht habe. Nein, weil ich nicht weiß, ob ich jemanden infiziert habe“ Wie lautet ein alternativer, hilfreicher Gedanke? „Ich habe nur meinen Job gemacht, bei dem ich hilfsbedürftigen Menschen in unserer Gesellschaft helfe. Ich kann nicht bestimmen, wer krank wird und wer nicht. Das liegt nicht in meiner Macht“.

 

Ich hoffe, dass für den ein oder anderen hier hilfreiche Tipps dabei waren!

 

Alles Liebe,

Sabrina

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